Die Chefin ruft nach Dienstschluss an und die Kundin macht sich bemerkbar, während wir uns eigentlich voll auf unsere Arbeit konzentrieren wollten. Sonntags noch schnell eine Mail von der Couch schicken und sogar im Urlaub sind wir gerne und immer erreichbar. Doch warum ist das so – und muss das so sein?

Wo kommt der Drang her, erreichbar zu sein?

Wir müssen nicht immer wie Erdmännchen aufschrecken und gleich nachsehen, wenn sich jemand in unser E-Mail-Postfach drängt. Seien wir mal ehrlich: Wir freuen uns oft über die Ablenkung. Es ist eine einfache Art, heimlich zu prokrastinieren. Außerdem wollen wir es unseren Kunden und Vorgesetzten recht machen, weil wir uns Anerkennung wünschen. Wir wollen serviceorientiert sein und gute Dienstleister. Aber sind wir das nicht auch, wenn wir uns auf unsere Arbeit konzentrieren?

FOMO – Fear of missing out

Ein anderer Grund für unseren Drang zur ständigen Erreichbarkeit sind vier Buchstaben: FOMO – the fear of missing out. Sie ist die Angst etwas zu verpassen. FOMO ist der Begriff, mit dem Psychologen einer unserer tiefsten Ängste beschreibt. Wenn wir nicht erreichbar sind, nicht ständig durch die Social Media scrollen, dann könnten wir etwas verpassen, nicht mehr up-to-date sein. Unser Drang, immer ans Telefon zu gehen und jede Mail sofort zu beantworten, entspringt auch aus der FOMO. Sie macht uns Feuer unter dem Hintern und lässt uns fast niemals zur Ruhe kommen.

Statt unserer Angst zu begegnen, ärgern wir uns über den unverschämten E-Mail-Schreiber, der offenbar nicht weiß, dass es Sonntag ist. Doch statt die Verantwortung bei anderen zu suchen, können wir uns auch fragen: Warum haben wir denn jetzt schon wieder unsere Mails gecheckt? Schließlich ist doch Sonntag…

Wie können wir diesen Drang ablegen?

Selbstwirksamkeit – Egal was ist: Du bist der Chef deines Lebens. Du hast immer die Wahl und die Möglichkeit, die Situation selbst zu beeinflussen. Ist es für dich ok, außerhalb deiner Dienstzeiten ans Telefon zu gehen? Dann nur zu. Wenn nicht, darfst du Grenzen setzen – und einfach mal nicht ran gehen.

Ausnahmen – Es mag Projekte geben, bei denen du erreichbar sein muss – auch nach Dienstschluss. Hier darfst du aber auch deutlich machen, dass das dein Engagement ist und du das gerne machst – es jedoch eine Ausnahme ist, die du als serviceorientierter Mensch gerne machst.

Regeln – Damit wird klar: Du brauchst Regeln – für dich selbst. Überlege dir ganz bewusst, was für dich ok ist, was machbar ist und was dich aus der Konzentration oder der Freizeit reißen würde.

Notwendigkeit – Wann ist es beispielsweise wirklich notwendig, dass du erreichbar bist? Und für wen? Setzt dir und deinen Kunden selber Grenzen und mache dir deutlich, wann du gerne für andere da bist.

Effizienz – Manchmal kann es sinnvoll sein, bewusst das Telefon und das Postfach abzuschalten. Deep Work kann dabei helfen, Projekte konzentrierter und effizienter abzuschließen.

Work-Life-Balance – Überlege dir, wo die Grenzen zwischen deinem privaten und deinem beruflichen Leben verlaufen. Gerade wenn du als Freiberufler von zu Hause aus arbeitest, verschwimmen die Grenzen schnell. Erlaube dir, auch mal wirklich Feierabend zu haben.