Keine Angst vor der Umsatzsteuer!

Wer sich für ein Leben zwischen Buchstaben und Zeichenstiften entscheidet, hat oft kein allzu großes Interesse an Zahlen. Leider kommen auch Kreative, Journalisten und Texter nicht drumherum, sich ab und zu mit Zahlen, Abrechnungen und Steuern auseinanderzusetzen.

17.500 € – Die magische Grenze

Wenn du mehr als 17.500 Euro in einem Jahr eingenommen hast, bist du ab dem Folgejahr umsatzsteuerpflichtig. Wenn du beispielsweise 2019 17.501 Euro erwirtschaftet hast, kannst du ab 1. Januar 2020 deine Rechnungen nicht mehr nach § 19 der Kleinunternehmerregelung netto und ohne Umsatzsteuer stellen.

Wichtig: Einnahmen ≠ Gewinn

Die Grenze bezieht sich auf den Umsatz, nicht auf den Gewinn. Es zählt also die Summe der Beträge, die sich unter dem Strich auf deinen Rechnungen befindet.

Tipp: EÜR regelmäßig pflegen

Auch wenn es etwas streberhaft wirkt: Pflege eine Einnahmeüberschussrechnung (EÜR) regelmäßig – und nicht erst, wenn es Zeit für die alljährliche Steuererklärung ist. So behältst du den überblick, ob du noch unter oder schon über der magischen 17.500-Euro-Grenze unterwegs bist.

Der Vorteil

Wenn du beispielsweise einen PC kaufst, kannst du die im Kaufpreis enthaltene Umsatzsteuer gegen die Umsatzsteuer gegenrechnen, die du ans Finanzamt überweisen muss. So wird – vereinfacht dargestellt – der PC unterm Stich 19 Prozent günstiger.

Der Nachteil

  • Du musst entweder jeden Monat oder einmal pro Quartal eine Mini-Steuererklärung abgeben: die Umsatzsteuervoranmeldung.
  • Du musst den Unterschied zwischen den verschiedenen Steuersätzen verstehen. Dazu versuche ich dir im Folgenden ein paar Tipps zu geben.

7 Prozent oder 19 Prozent?

7 Prozent Umsatzsteuer

Manche Freiberufler können einen ermäßigten Umsatzsteuersatz in ihren Rechnungen angeben. Vereinfacht gesagt kannst du sieben Prozent Umsatzsteuer ansetzen, wenn du kreative Produkte abrechnest. Das entscheidende Kriterium ist, ob du mit deiner Arbeit Urheberrechte erwirbst. Für alle Freunde von Paragraphen: Wenn deine Arbeit die Kriterien des § 12 Abs. 2 Nr. 7c UStG erfüllt, dann erwirbst du Urheberrechte und kannst den verminderten Umsatzsteuersatz ansetzen. Dazu gehören beispielsweise solche Dienstleistungen:

  • Artikel für Magazine, Blogs und Zeitungen
  • Pressemitteilungen
  • gestaltete Webseiten
  • Firmenlogos
  • Musikstücke
  • Illustrationen
  • Zeichnungen
  • Fotos
  • Bücher, Magazine und Zeitungen

Kurz: Was in irgendeiner Form künstlerisch ist und etwas Neues erschafft, fällt in der Regel unter den ermäßigten Steuersatz.

Überraschend innovativ zeigt sich das Steuerrecht gegenüber IT-Profis: Denn es erkennt sogar das Programmieren von Computerprogrammen als Kreativarbeit an.


19 Prozent Umsatzsteuer

Wenn du mit deiner Arbeit dagegen keine Urheberrechte erwirbst, gilt für dich der Steuersatz von 19 Prozent. So kann es sein, dass sich auf einer Rechnung verschiedene Steuersätze finden können, zum Beispiel, wenn du deinem Kunden neue Website-Texte lieferst und zusätzlich die bestehenden Texte des Kunden nochmals lektorierst.

Unter anderem fallen diese Tätigkeiten unter den regulären Steuersatz:

  • Cutten und Schneiden von Videos oder Audio-Beiträgen
  • Lektorat und Korrekturen
  • SEO-Tätigkeiten wie Audits oder Keyword-Recherchen
  • Übersetzungen
  • Vorträge und Seminare
  • Beratung

Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer, Vorsteuer

So weit so gut. Nun noch ein kleines bisschen Nachhilfe zu den Begriffen:

Mehrwertsteuer ist ein Begriff, den es eigentlich gar nicht gibt. Im Steuerrecht kommt er nicht vor. Als Mehrwertsteuer gilt umgangssprachlich alles, also Vorsteuer und Umsatzsteuer. Doch obwohl es den Begriff im Steuerrecht nicht gibt, kürzt sich die Steuer auf dem Kassenbon mit MWSt. für Mehrwertsteuer ab. Verwirrung ist offenbar ein integraler Bestandteil des Steuerrechts.

Als Vorsteuer wird die Steuer bezeichnet, die du als Freiberufler zahlst, wenn du etwas einkaufst. Wenn du beispielsweise einen Satz neue Textmarker kaufst, bekommst du bei deiner Umsatzsteuererklärung die an andere Unternehmen gezahlte Vorsteuer wieder. Oder einfacher: Vorsteuer ist die Mehrwertsteuer, die du als Konsument an andere bezahlst.

Und die Umsatzsteuer ist die Steuer, die du selbst einnimmst. Unter deinen Netto-Rechnungsbetrag schreibst du die Umsatzsteuer, die dir dein Kunde zusätzlich zu deinem eigentlichen Honorar überweisen musst. Diese Steuer nimmst du stellvertretend für das Finanzamt ein. Leider darfst du sie nicht gehalten. Dein Honorar steigt also nicht um sieben oder 19 Prozent, sondern du bist einfach nur der Verwalter dieses Geldes, das du monatlich oder pro Quartal an das Finanzamt weiterreichst.


Fazit

Du siehst also: So komplex ist die Sache mit der Umsatzsteuer gar nicht. Frag dich einfach: Ist meine Arbeit kreativ und macht sie mich zu, Urheber von etwas Neuem.


Disclaimer

Ich bin kein Steuerexperte. Was du auf dieser Seite gelesen hast, ist ein Sammelsurium aus Infos aus dem Netz und aus Büchern. Diese Infos müssen weder vollständig noch 100 korrekt sein. Wenn dir etwas komisch erscheint, kontaktiere mich gerne – und hilf mir diesen Blog besser zu machen.

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