Wie ein “Nein” dich weiterbringen kann

Wann darf ich “Nein” sagen? Kurze Antwort: Immer. Es ist schließlich dein Leben und als Freiberufler hast du viele Freiheiten und selbst die Macht über deine Jas und Neins. Die längere Antwort ist: Immer, wenn es für dich richtig ist. Auch wenn es finanziell nicht immer rund läuft, ist es nicht sinnvoll, zu jedem Auftrag “Ja” zu sagen.

1. Wenn du Deep Work machst

Wenn ich mich auf eine Aufgabe konzentrieren muss, zum Beispiel, wenn ich einen wissenschaftlichen Text lektoriere oder etwas Schreibe, stelle ich mein Telefon auf “Nicht stören” und schalte mein Mail-Postfach ab. Da uns wissenschaftlichen Studien zufolge E-Mails von der Arbeit immer wieder ablenken, ist ein selbstbewusstes “Nein” an dieser Stelle Gold wert. Denn nur so hast du eine Chance, konzentriert in deine aktuelle Aufgabe einzutauchen und einen guten Job zu machen. Manche Menschen stellen sich auch einen Timer (wenn ich das mache, stelle ich ihn auf zwei Stunden). In dieser Zeit wird konzentriert gearbeitet – Fachleute nennen das Deep Work. Danach dürfen uns Telefon und Postfach wieder mit Anfragen bombardieren – bis wir für die nächste Deep-Work-Phase “Nein” zu ihnen sagen.

2. Nein zum “Selbst und Ständig”-Mythos

Auch Selbstständige brauchen Pausen. Um unsere Arbeitskraft und unsere Kreativität auf Dauer zu erhalten, sind diese Pause enorm wichtig. Deshalb sollten wir den Mythos “Selbstständig heißt selbst und ständig” endlich beerdigen: Klar sind wir immer selbstständig, andere sind auch immer angestellt – und trotzdem arbeiten sie nicht ohne Unterbrechung. Es ist o.k. am Wochenende eine Pause zu machen und keine Mails zu beantworten. Wenn es nicht anders mit deinem Kunden besprochen ist, erwartet dein Kunde höchstwahrscheinlich gar nicht, dass du ihm immer sofort antwortest. Und bestenfalls erlaubt er sich selbst, sonntags freizuhaben.

3. Nein, wenn du dir treu bleiben willst

Du willst Fußballreporterin werden, hast aber eine Anfrage von einem Beauty-Magazin bekommen? Wenn dich das Thema interessiert: Gut. Nimm das Honorar mit und hab Spaß an der Arbeit. Doch wenn das Thema dich von deinen Zielen wegführt, ist es nicht immer sinnvoll, den Auftrag anzunehmen. Wenn du dir ein solides Portfolio aufbauen möchtest, benötigst du deine Zeit und deine Konzentration für genau die Projekte, die du wirklich machen möchtest. Alles am Rand bezahlt zwar deine Miete, kann dir aber schlechtestenfalls die Zeit rauben, die du für deine Ziele brauchst.

4. Nein, wenn es sich nicht lohnt

Es gibt Kunden, die wollen viel für wenig. Wenn du 10 Stunden in einen Text oder eine Grafik stecken musst, für die du pauschal 100 Euro bekommst, oder eine Tagespauschale von 85 Euro für eine Redaktionsschicht, die zwischen 8 und 12 Stunden lang sein kann, ist das kein gutes Geschäft. Dazu würde ich ganz klar “Nein” sagen. Schließlich verkaufst du dich unter deinem Wert und zeigst deinem Auftraggeber damit, dass das für dich o.k. ist. Das ist sowohl aus ethischen als auch aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll – schließlich verdienst du so noch nicht mal Mindestlohn. Nur weil du deinen Job gerne machst, heißt das nicht, dass er schlecht bezahlt werden darf.

5. “Nein” zu Geizhälsen

Wer sich deine Dienstleistungen eigentlich nicht leisten will, wird an allen Ecken und Enden versuchen, mehr für sein Geld herauszuholen: Wenn dir ein Kunde kein ausreichendes Briefing liefert, aber trotzdem zig kostenfreie Feedback-Schleifen fordert, solltest du dir überlegen, ob die Bilanz für dich stimmt. Denn wer den Wert deiner Arbeit nicht erkennt, der bezahlt dich nicht nur schlecht, der behandelt sich auch so. Solche Kunden sind nicht nur ungünstig für dein Selbstwertgefühl, sondern auch für dein Konto. Gute Arbeit hat ihren Preis.

6. Wenn du keine Zeit hast

Es ist eine Sache der Fairness – dir gegenüber und deinen Kunden gegenüber – nicht mehr Aufträge anzunehmen, als du leisten kannst. Wenn dein Auftragsbuch voll ist, ist ein “Nein” nur fair. Anderenfalls beutest du entweder dich aus, oder lieferst einem zahlenden Kunden nicht die Qualität, die er verdient hat. Aus dem “Nein” kannst du gelegentlich auch ein “Ja, aber” machen und fragen, ob du dich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals melden darfst.

7. “Nein” zu Stress

Ich bin davon überzeugt, dass gute und kreative Arbeit nur entstehen kann, wenn unser Geist ausgeruht ist. Wenn du dein Auftragsbuch ständig überbuchst, wirst du irgendwann keine Kraft mehr haben. Unser Arbeitsleben ist ein Marathon – kein Sprint. Klar, ab und zu können wir uns richtig reinhängen, Nachtschichten machen und inspiriert ein Projekt in kurzer Zeit auf die Beine stellen. Aber dieses Tempo halten wir nicht auf Dauer durch. Achte auf dich – und wenn es zu viel wird, sag ab und zu auch mal “Nein” zu einem Projekt.

Fazit: Ein “Nein” kann helfen

Es gibt Situationen, in denen dir ein Auftrag nicht weiterhilft. Ein “Nein” kann dabei helfen, deine Kräfte sinnvoll und nachhaltig einzuteilen – und dauerhaft kreativ arbeiten zu können. So kannst du “Ja” zu allem sagen, was dich begeistert.