Does it spark Joy?!?

Marie Kondo, die japanische Aufräum-Elfe schwebte spätestens seit ihrer Netflix-Serie durch unsere Köpfe. Sie hilft verzweifelten Sammlern, Staplern und Schluderern, ihre Wohnungen vom Zu-Viel zu befreien.

Dafür müssen die Aufräumwilligen all ihr Zeug auf einen Haufen werfen, jedes Teil einzeln in die Hand nehmen und sich fragen: Does ist spark joy? – Bringt es dir Freude? Wenn ja: Behalte es und schenke ihm einen speziellen Ort, an dem es von nun an immer liegen wird. Wenn nein: Weg damit.

An und für sich ist das eine sehr schöne Idee. Denn so leben wir irgendwann nur noch zwischen Dingen, die wir wirklich brauchen und mögen. Ein Zuhause voller Lieblingsteile. Wer Ballast abwerfen möchte, kann von der Ordnungsexpertin einiges lernen.

Minimalismus für Maximalisten

Es könnte also der Eindruck entstehen, dass Marie Kondo die Pleonexia, die Sucht nach mehr, aus unserer Wohnung und unserem Leben vertreiben möchte – um uns glücklich zu machen. Deshalb hat es mich sehr gewundert, als ich hörte, dass Japans Vorzeigeaufräumerin nun Dinge verkauft. Dinge, die einfach nur da sind. Dinge, die Platz wegnehmen. Dinge, die teuer sind. Dinge, die ebenso im Schrank verstauben können, wie alles, was wir vorher wieder eingeräumt haben, weil wir glauben, dass es uns Freude bringen wird – irgendwann.

Ein Räucherstäbchenhalter für 50 Dollar, Handtücher für 200 Dollar, Kerzen vor 86 Dollar. Ist das noch Minimalismus oder schon unnötiger Luxus. Sind das Lieblingsteile, die vor Joy nur so sparken oder bringen die Duftöle, Pantoffeln und Nagelbürsten lediglich Freude auf Kondos Konto?

Kondo ist keine Minimalistin

Marie Kondo hat sich nie selbst als Minimalistin bezeichnet; auch wenn viele Minimalismus-Aspiranten mit ihren Tipps in ein leichteres Leben starten. Marie Kondo räumt auf – nicht mehr und nicht weniger. Sie glaubt, wie viele Japaner, dass wir mit unserem Zuhause auch unsere Seele aufräumen.

Von daher verstrickt sie sich nicht in Widersprüche, wenn sie Vasen und Massage-Holzknüppel für Besserverdiener in ein geordnetes Zuhause verkaufen möchte. Doch bei den Luxus-Produkten in ihrem Webshop fragt sich mancher weniger, ob die Teile Freude bringen werden, sondern vielmehr, ob man sich das wirklich leisten möchte. Brauchen wir das wirklich?